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Reformation > Dr. Martin Luther - Sein Leben und Wirken

Drei Zeugnisse vom Evangelium gegen Rom.

Siehe, ich setze dich heute dieses Tages über Völker und Königreiche, dass du ausreißen, zerbrechen, verstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Jeremia 1,10

Dies Wort des Propheten Jeremia passt so recht auf die drei großen Reformationsschriften Luthers aus dem Jahr 1520. In den ersten beiden, „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“ und „Von der babylonischen Gefangenschaft (nämlich der Kirche), ein Vorspiel Dr. Martin Luthers“ betrieb Luther das notwendige Ausreißen und Verstören der päpstlichen Missbräuche und Irrlehren. In der dritten Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ vollbrachte er das Pflanzen und Bauen. Dass der Papst und die Bischöfe die Kirche nicht reformieren wollten hatte Luther in seinem bisherigen Kampf gesehen. Nun wendet er sich in der ersten Schrift an den jungen Kaiser Karl V. und an den christlichen Adel deutscher Nation, damit sie die notwendige Reformation in die Hand nehmen mögen. Drei Mauern haben die Papisten um sich gezogen, sagt er, damit niemand sie reformieren und ihre ungöttliche Herrschaft beenden kann. Die erste Mauer ist ihr Satz: Weltliche Gewalt hat nicht Recht über die Geistliche. Demgegenüber zeigt Luther, dass alle Christen durch die Taufe zu Priestern geweiht sind und freien Zugang zu Gott haben. Im neuen Bund des Neuen Testaments darf sich kein besonderer Priesterstand mehr zwischen Gott und den Menschen schieben, sondern nur noch das Predigtamt besteht, das ein Dienst am Wort Gottes und Sakrament ist. Der geistliche Stand ist nicht an und für sich heiliger als andere Stände. Alle Stände sollen dem Wohl des Ganzen dienen. Die zweite Mauer ist der Satz: Nur der Papst kann die Schrift auslegen. Aber die Schrift sagt: Alle wahren Christen werden von Gott gelehrt sein (Johannes 6,45)1. Wenn alle geistliche Erkenntnis beim Papst ist, wozu ist dann überhaupt die Schrift noch gut? Lasst uns sie verbrennen und einfach bekennen: „Ich glaube an den Papst in Rom!“ Es ist geradezu ein teuflischer Irrtum, so die ganze Kirche in einen Menschen zu konzentrieren. – Die dritte Mauer heißt: Nur der Papst kann ein Konzil einberufen. Einen Grund dafür haben die Papisten nicht. Ist Not in der Kirche, und will der Papst der Not nicht wehren, so soll jeder zusehen, dass ein Konzil (Kirchenversammlung) zustande kommt, besonders die weltliche Obrigkeit. So hat Luther diese „drei Mauern Jerichos“ mit der Posaune Gottes umgestürzt (Josua 6) und zählt 26 Stücke auf, die auf einem Konzil verhandelt werden müssen. Da redet er unter anderem von der schändlichen, ungeistlichen Hoffart (Anmaßung) und Pracht des päpstlichen Hofes, von den unzähligen Gelderpressungen desselben, von den unnützen Wallfahrten, von dem päpstlichen Verbot der Priesterehe usw. und schließt mit den Worten: „Ich habe wohl viel Ding zu scharf getroffen. – Es ist mir aber lieber, die Welt zürne mit mir, denn Gott; man wird mir ja nicht mehr denn das Leben können nehmen. – Gott gebe uns allen einen christlichen Verstand und sonderlich dem christlichen Adel deutscher Nation einen rechten geistlichen Mut, der armen Kirche das Beste zu tun! Amen.“

In der zweiten Schrift: „Von der babylonischen Gefangenschaft“ spricht Luther zunächst aus, wie er gerade durch seine Gegner und ihre Schriften immer weiter gefördert worden ist in der Erkenntnis des Evangeliums und der unevangelischen Lehre und Satzung der päpstlichen Kirche. Er freut sich, dass ihm durch seine Feinde Gelegenheit geboten wird, einmal die römische Lehre von den Sakramenten näher zu beleuchten. Gerade dadurch, dass der Papst alles Heil an den äußeren Gebrauch der Sakramente knüpft, die nur ein richtig geweihter Priester vollziehen kann, während vom Glauben nichts geredet wird, hat er am stärksten die Gewissen geknechtet und die Kirche und ihre Glieder in Gefangenschaft geführt. „Denn wo der Glaube untergeht und das Wort des Glaubens verstummt, da treten alsbald an seine Stelle menschliche Werke und Werksatzungen, durch welche wir wie in babylonischer Gefangenschaft fortgeführt sind aus unserem Land mit Gefangenahme alles dessen, was für uns begehrenswert ist.“ Der Papst mit seinen Priestern hat das Heil für sich in Beschlag genommen und nur die ihm gehorchen können etwas davon erlangen. Sieben Sakramente hat die päpstliche Kirche gelehrt; aber Konfirmation, Ehe, Priesterweihe und die letzte Ölung sind keine Sakramente. Wie kann man diese Dinge mit den Stiftungen Christi, Taufe und Abendmahl auf eine Stufe stellen! Höchstens die Beichte wäre nach Johannes 20,232 noch als ein Sakrament gelten zu lassen. Sie hat zumindest Christi Befehl und Verheißung. Aber es fehlt ihr doch das äußere Zeichen. Und das ist gerade das Wesen des Sakraments, dass hier eine göttliche Verheißung mit einem besonderen Zeichen verbunden ist. Die Verheißung aber fordert Glauben. – So bleiben also nur die Taufe und das Abendmahl als eigentliche Sakramente übrig. Aber wie hat man besonders das Sakrament des Altars verunstaltet und in die Gefangenschaft der schändlichen Herrsch- und Gewinnsucht geführt! Die erste Gefangenschaft ist die, dass man den gewöhnlichen Christen, den Laien, den Kelch im Abendmahl entzog gegen Christi ausdrückliches Wort. Die Zweite, dass man die törichte und schriftwidrige Lehre aufbrachte, Brot und Wein würden in Christi Leib und Blut verwandelt. Und die Dritte schließlich, dass man aus dem Sakrament ein gutes Werk und Opfer machte, das Messopfer, und so das einzige, ewige Opfer Christi am Kreuz lästert und für ungenügend erklärt, indem man lehrt, das Messopfer müsse dazu dienen, dem Einzelnen erst Segen des Opferbrotes Christi zuzuwenden, und es wirke, ob man glaube oder nicht. Ja man könne es in der sogenannten Seelenmesse auch für die Toten im Fegefeuer darbringen. – Auch die Taufe schädigt man, indem man sie nicht für das ganze Leben gelten lässt, sondern sagt, sie tilge nur die Erbsünde und die Sünden, die von ihr begangen seien. Die anderen Sünden müsse das Sakrament der Buße hinwegnehmen. Statt des einen rechten Gelübdes, des Taufgelübdes und Taufbundes, hat man unzählige falsche eingeführt. „So viel Ordnung, so viel Bräuche, so viel Sekten, so viel Gelübdeablegungen, so viel Bestrebungen, so viel Werke gibt’s, mit denen die Christen sich jetzt mühen und ihre Taufe vergessen.“

Die dritte Schrift: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ hat Luther an den Papst Leo selbst gerichtet. In ihr weht der Hauch heiligen, himmlischen Friedens. Sie zeigt das köstliche Kleinod der Reformation, die Lehre von der Rechtfertigung allein durch den Glauben, in seinem schönsten und hellsten Glanz. Das Wort der Verheißung, das Evangelium von Christus und seinem heilbringenden Leiden, so führt hier Luther aus, kann man durch nichts anderes fassen und ergreifen, als allein durch den Glauben. Man kann auch durch nichts anderes, durch kein Werk und Gebot vor Gott gerecht werden. Einzig und allein der Glaube vereinigt die Seele mit Christus, und diese Gemeinschaft kann nicht ohne den seligen Tausch sein, dass Christus der Seele gibt was sein ist, Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit, und an sich nimmt und verschlingt das, was der Seele eigen ist, Sünde, Tod und Verdammnis. So ist der gläubige Christ in seinem Heil von nichts Äußerlichem, von keinen Bräuchen und Zeremonien abhängig, sondern er ist durch den Glauben ein freier Herr aller Dinge. Das ist der erste Hauptsatz. Und doch ist ein Christenmensch trotz dieser Freiheit des Glaubens ein ganz dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan durch die Liebe, das ist der zweite Hauptsatz. Die Liebe, die im Dienen und Opfern ihr Wesen hat und notwendig aus dem Glauben fließt und herkommt. „Es folgt also der Beschluss, dass ein Christenmensch lebt nicht in sich selbst, sondern in Christus und seinem Nächsten, in Christus durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe; durch den Glauben fährt er über sich hinauf in Gott, durch die Liebe fährt er wieder unter sich in den Nächsten und bleibt doch immer in Gott und göttlicher Liebe.“

So lehrte der treue Knecht Gottes und so redete er zu dem Papst von den Geheimnissen des wahren Christentums. Und welche Antwort auf dies Zeugnis erhielt er aus Rom? Die Verfluchung und den Bann.

 


Inhalt

Wie Martin Luther von Gott zum Reformator der Kirche vorbereitet wurde.
Elternhaus. Geburt. Jugenderziehung.
Eintritt in das Kloster in Erfurt.
Durchbruch zur evangelischen Heilserkenntnis und Übersiedlung nach Wittenberg.
Reise nach Rom. 1511.
Wie Martin Luther das Werk der Reformation begann.
Der Ablass. Tetzel. Die 95 Thesen.
Römische Nachstellungen. Cajetan. Miltitz.
Drei Zeugnisse vom Evangelium gegen Rom.
Im Bann des Papstes.
Der Reichstag zu Worms.
Wie Martin Luther die Reformation der Kirche in den rechten Bahnen erhielt und weiterführte.
Auf der Wartburg.
Die Schwärmer in Wittenberg und der Aufstand der Bauern.
Luther tritt in die Ehe ein.
Der Reichstag in Augsburg (1530) und Luther auf der Coburg.
Der Tag zu Schmalkalden, 1537.
Martin Luther als Lehrer und Vorbild.
Luther, der treue Untertan weltlicher Obrigkeit.
Luther, der Bibelübersetzer und Volksschriftsteller.
Luther, der Sänger und Liederdichter.
Luther, der Freund der Schule.
Luther, der Hausvater und Christ in Freud und Leid.
Wie Martin Luther selig in dem Herrn heim ging.

Anmerkungen

  1. Es steht geschrieben in den Propheten: "Sie werden alle von Gott gelehrt sein." Wer es nun hört vom Vater und lernt es, der kommt zu mir. (Johannes 6, 45)
  2. Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. (Johannes 20,23)

Quelle

Ernst Haack (1883)
Dr. Martin Luthers Leben und Wirken.
Motto: Gottes Wort und Luthers Lehr‘ vergehen nun und nimmermehr. Eine Preisschrift, gekrönt und herausgegeben zum 10. November 1883, dem 400 jährigen Geburtstag des großen Reformators, vom Evangelischen Preßverein in Schlesien.
Breslau, 1883. In Commission bei C. Dülfer

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