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Reformation > Dr. Martin Luther - Sein Leben und Wirken

Luther, der Hausvater und Christ in Freud und Leid.

Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.

Josua 24,15

Luther führte mit seiner „Käthe“, wie er seine Frau gern nannte, eine äußerst glückliche Ehe. Sie stand ihrem Hauswesen, das sich später immer mehr vergrößerte, da Luther viele in Wittenberg Studierende aufnahm, mit großer Umsicht und unermüdlichem Fleiß vor und war ihrem Mann eine rechte Gehilfin, wie es die Frau nach Gottes Wort ihrem Mann sein soll. Aus eigener persönlicher Erfahrung heraus redet Luther, wenn er den Ehestand mit so herzlichen Worten lobt und sagt: „Es ist keine lieblichere, freundlichere, noch holdseligere Verwandniss, Gemeinschaft und Gesellschaft, denn eine gute Ehe, wenn Eheleute miteinander in Friede und Einigkeit leben“, oder wenn er ausruft: „Die höchste Gnade und Gabe Gottes ist, ein fromm, freundlich, gottesfürchtig und häuslich Gemahl haben, mit der du friedlich lebst, der du darfst all dein Gut und was du hast, ja Leib und Leben vertrauen“, und an einer anderen Stelle: „Ich bin, bleibe und sterbe im Lob des heiligen Ehestandes.“ Noch in seinem Testament aus dem Jahr 1542 schreibt Luther von seiner Frau, „dass sie ihn als ein fromm, treu, ehrlich Gemahl allezeit lieb, wert und schön gehalten“, und seine Briefe an sie sind bis an das Ende voll warmer, herzlicher Liebe und freundlichen Scherzes.

Luthers Freuden im Kreis seiner Familie und seiner Freunde.
Luthers Freuden im Kreis seiner Familie und seiner Freunde.
Luther am Sarg seiner Tochter Magdalene.
Luther am Sarg seiner Tochter Magdalene.

Sechs Kinder wurden den Luthers nach und nach in ihrer Ehe geschenkt. Sein ältester Sohn hieß Hans und erblickte am 7. Juni 1526 das Licht der Welt. Er starb als Doktor der Rechtswissenschaften 1575 in Königsberg. Seine erste Tochter Elisabeth wurde nur wenige Monate alt. Als Ersatz für sie schenkte ihm Gott eine besonders geliebte Tochter Magdalena (geboren 4. Mai 1529). Sie war ein besonders frommes und nachdenkliches Kind, und es war ein großer Schmerz für den Vater, als er sie in ihrem dreizehnten Jahr fromm und gläubig von dieser Welt scheiden sehen musste. Da sprach er zu der Menge der Leidtragenden: „Ich hab einen Heiligen gen Himmel geschickt, o hätten wir einen solchen Tod. Solch einen Tod wollt ich auf der Stelle annehmen.“ Aber er musste doch auch an ihrem Sarg ausrufen: „Ich bin ja fröhlich im Geiste; aber nach dem Fleische bin ich sehr traurig; das Fleisch will nicht heran; das Scheiden verirrt einen über die Maßen sehr. Wunderding ist’s, dass sie gewiss im Frieden und ihr wohl ist, und doch noch so traurig sein.“ – Die beiden folgenden Kinder waren Söhne, Martin (geboren 1531) und Paul (geboren 1533). Letzterer, dem Apostel Paulus zu Ehren Paul genannt, wurde später Leibarzt an verschiedenen Höfen. Die jüngste Tochter Margarethe (geboren 1534) heiratete später den Ritter von Kuenheim1.

Luther fand in seinem Haus und an seinen Kindern mitten unter all seinen Kämpfen und Arbeiten einen Ort reiner Freude, Erquickung und Erholung. Gern beobachtete er die Kinder in ihrem kindlichen Spiel und hatte seine erbaulichen Gedanken dabei. „Der Kinder Glaube und Leben“, sprach er, „ist am allerbesten; denn sie haben nur das Wort. Daran halten sie sich und geben Gott einfältig die Ehre, dass er wahrhaftig sei, halten für gewiss, was er verheißt und zusagt.“ Kindlich konnte er mit ihnen umgehen und war in seinem Haus allezeit guter Dinge. Da legte er die schweren Sorgen ab, vergnügte sich mit den Seinen an der Musik, die er herzlich liebte und pflegte, oder sah Freunde bei sich zu einem heiteren, geselligen Beisammensein bei einem Trunk Bier oder Wein. Obwohl er sich sonst wenig um seines Leibes Genuss und Verpflegung kümmerte und er oft genug über all den vielen Aufgaben Essen und Trinken vergaß, so verschmähte er doch nicht in falscher, mönchischer Heiligkeit die Gaben Gottes, die er uns schenkt, damit wir sie mit Dank gegen ihn gebrauchen sollen. Alle Üppigkeit, alles Übermaß aber war ihm zuwider, auch war seine Besoldung nicht so hoch, dass er von ihr hätte zu Wohlstand kommen können. Erst in seinen letzten Lebensjahren hatte er ein ausreichendes Einkommen, von dem er gern gab und wohltat, wo er konnte, oft über seine Kräfte, ohne Rücksicht auf Dank oder Lohn. Nichts lag ihm ferner als kleinlicher Geiz oder ängstliche Sorge um die Güter dieser Welt. Sie waren ihm ein Geringes. Irdische Ehre hat er nicht begehrt, Reichtum hat er nicht gesucht in seinem Lebenswerk. „Es hilft nichts an ihm; die deutsche Bestie achtet keines Geldes und will keins nehmen!“ mussten seine Feinde ärgerlich eingestehen, und er, der so viele geistlich reich gemacht hatte, er, von dem Fürsten und Könige Rat begehrten, er, der auf dem Gebiet des Geistes der erste und größte Mann seiner Zeit war, ist arm gestorben und hat seinen Kindern nichts hinterlassen als einen berühmten Namen, „im Himmel und auf Erden, auch in der Hölle bekannt“. Doch war er treu darauf bedacht als ein rechter Hausvater und Hauspriester die Seinen mit Gottes Wort zu versorgen. Seine Kinder lernten in frühester Jugend den Katechismus und an Sonntagen, wo er schwach war und in der Kirche nicht predigen konnte, hielt er seinen Hausgenossen eine Predigt. Diese Predigten sind von einem Zuhörer und Freund Luthers, Veit Dietrich, zu einer „Hauspostille“ zusammengefasst worden, die ein schönes Seitenstück zu seiner Kirchenpostille ist.

„Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er“, sagt die Schrift (Hebräer 12,6), und es hat Luther in seinem häuslichen und persönlichen Leben nicht an Kreuz und Züchtigung gefehlt. Wir haben gesehen, wie er mehrere Male tödliche Krankheitsanfälle zu bestehen hatte. Überhaupt fühlte er sich in den letzten zehn Jahren seines Lebens selten ganz gesund. Schwindel und Ohrensausen im Kopf quälten ihn und machten ihm oft längere Zeit geistige Arbeit unmöglich. Dazu verursachte ihm sein Steinleiden von Zeit zu Zeit heftige Schmerzen, und gerade vor wichtigen Arbeiten und entscheidenden Tagen pflegte ihn irgendein Krankheitsanfall zu schwächen. „Das tut mir der Teufel alleweg, wenn ich etwas Großes ausrichten will, dass er mich zuvor also versucht und mit einer solchen Tentation (Versuchung) angreift“, sagt er selbst auf seiner letzten Reise kurz vor seinem Tod. Vielleicht hatte Gott der Herr seine weisen Absichten dabei und wollte dadurch das Feuer und die ungestüme Glut seines natürlichen Temperaments dämpfen, das ihn in seinem Kampf für das Evangelium zuweilen zu einer von ihm selbst bedauerten, nicht zu lobenden Heftigkeit und Schärfe des Ausdrucks verleitete. Dazu sollten gewiss auch die starken geistlichen Anfechtungen über seinen Gnadenstand dienen, in die er auch nach seinem Durchbruch zur evangelischen Heilserkenntnis noch öfter geriet. Sie waren mit einer solchen inneren Angst verbunden, dass er sie nur direkt auf teuflische Einwirkung zurückführen konnte. Immer aber hielt er in aller Anfechtung fest an dem Wort und der Gnadenverheißung Gottes und suchte mit anhaltendem Gebet das Herz seines Gottes und so rang er sich bald wieder hindurch zu fröhlicher Heilsgewissheit und freudigem Glaubensmut, der sich in allen seinen Schriften findet und jeden, der sie liest, anspricht und wunderbar tröstet.

Auch in seinem Äußeren prägte sich der feurige Sinn aus, der in ihm lebte. Besonders in der aufrechten Haltung seines Körpers, die ihn bis zu seinem Tod auszeichnete und in seinen feurigen, braunen Augen, die auf alle, die ihn sahen, einen tiefen Eindruck machten. Schon Cajetan soll 1518 bei der Begegnung mit ihm in Augsburg den Blick dieser „tiefen Augen“ nicht geliebt haben. Ein anderer päpstlicher Legat, Aleander, sagt, Luther habe mit ihnen 1521 bei seiner Ankunft in Worms dämonisch umhergeblickt. Der Schweizer Keßler aber schildert sie 1522 als „blitzend wie ein Stern, so dass sie nit wohl mögen angesehen werden“, während Melanchthon in ihnen den mutvollen, funkelnden Blick eines Löwen fand. Was sonst die äußere Gestalt Luthers betrifft, so sind seine Züge durch unzählige Bilder wohl jedem evangelischen Deutschen bekannt. Wir erfahren von ihm, dass er mittelgroß und später „von einem stattlichen Körper und ziemlicher Feiste“ war. In seiner Jugend dagegen sah sein Körper durch viele innere und äußere Kämpfe, Arbeiten, Fasten abgezehrt und mager aus, so dass Kaiser Karl V. von ihm auf dem Reichstag in Worms keinen besonderen Eindruck hatte. Seine Stimme nennt er selbst eine „kleine und stumpere“ Stimme, die nicht voll und stark, aber sehr durchdringend war und die „man doch gleichwohl weit hörte“, wie Melanchthon hinzufügte.

So wird uns das Bild dieses Mannes, den Gottes Gnade unserem Land schenkte, in seinem Leben und Wirken klar vor Augen stehen und es bleibt nur noch übrig, dass wir betrachten:

 


Inhalt

Wie Martin Luther von Gott zum Reformator der Kirche vorbereitet wurde.
Elternhaus. Geburt. Jugenderziehung.
Eintritt in das Kloster in Erfurt.
Durchbruch zur evangelischen Heilserkenntnis und Übersiedlung nach Wittenberg.
Reise nach Rom. 1511.
Wie Martin Luther das Werk der Reformation begann.
Der Ablass. Tetzel. Die 95 Thesen.
Römische Nachstellungen. Cajetan. Miltitz.
Drei Zeugnisse vom Evangelium gegen Rom.
Im Bann des Papstes.
Der Reichstag zu Worms.
Wie Martin Luther die Reformation der Kirche in den rechten Bahnen erhielt und weiterführte.
Auf der Wartburg.
Die Schwärmer in Wittenberg und der Aufstand der Bauern.
Luther tritt in die Ehe ein.
Der Reichstag in Augsburg (1530) und Luther auf der Coburg.
Der Tag zu Schmalkalden, 1537.
Martin Luther als Lehrer und Vorbild.
Luther, der treue Untertan weltlicher Obrigkeit.
Luther, der Bibelübersetzer und Volksschriftsteller.
Luther, der Sänger und Liederdichter.
Luther, der Freund der Schule.
Luther, der Hausvater und Christ in Freud und Leid.
Wie Martin Luther selig in dem Herrn heim ging.

Anmerkungen

  1. Der preußische Landrat Georg von Kuenheim.

Quelle

Ernst Haack (1883)
Dr. Martin Luthers Leben und Wirken.
Motto: Gottes Wort und Luthers Lehr‘ vergehen nun und nimmermehr. Eine Preisschrift, gekrönt und herausgegeben zum 10. November 1883, dem 400 jährigen Geburtstag des großen Reformators, vom Evangelischen Preßverein in Schlesien.
Breslau, 1883. In Commission bei C. Dülfer
 
Gustav König (Bild um 1900)
Dr. Martin Luther der deutsche Reformator in bildlichen Darstellungen
Verlag von Keuther & Reichard, vermutlich um 1900
 

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