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Reformation > Dr. Martin Luther - Sein Leben und Wirken

Luther, der Freund der Schule.

Weide meine Lämmer!

Johannes 21,15

Wir haben schon gesehen, wie Luther als Kind in der Mansfelder Schule mit vielen Schlägen geplagt wurde und nur wenig lernte, weil der Lehrer völlig ungeschickt zum Unterrichten war. Aber er wurde doch regelmäßig zur Schule geschickt. Dagegen wuchs ein sehr großer Teil der Jugend ohne regelmäßigen Schulunterricht auf. Sie lernten höchstens die Gebote, den Glauben und das Vaterunser, und auch das manchmal nicht. Vom Lesen und Schreiben war wenig die Rede. Denn besonders auf den Dörfern gab es nur in ganz verschwindender Anzahl Volksschulen. Was für eine unglaubliche Unwissenheit und mangelnde Bildung unter dem Landvolk herrschte, lernte Luther schmerzlich bei der bereits erwähnten Visitation in Kursachsen in den Jahren 1527-1529 kennen. Da fand man einen Ort, wo die Bauern kein Gebet kannten und einen anderen, wo sie sich weigerten das Vaterunser zu lernen, weil es zu lang sei. Unter den Geistlichen war einer, der selbst kaum noch den Glauben und das Gebet des Herrn kannte aber als ein großer Teufelsaustreiber gesucht und geschätzt war. Manche mussten wegen grober Unsittlichkeit, Trunksucht, wilder Ehe und dergleichen abgesetzt werden. Wirklich zum Lehren und Predigen fähig waren wenige. Darum schrieb Luther 1529 seine beiden Katechismen, den großen und den kleinen Katechismus. Den großen Katechismus für die Prediger und Pfarrer, damit sie lernten wie man die Menschen unterrichten sollte und den kleinen Katechismus für die Gemeinde selbst. Noch heute ist Luthers kleiner Katechismus wegen seiner Schlichtheit und Tiefe eine unübertroffene Schrift für die Unterweisung in der christlichen Lehre, die Grundlage unserer Kirche und die Bekenntnisschrift, die ein jeder lutherische Christ wortwörtlich auswendig wissen sollte. Der alte fromme Mathesius, Luthers Tischgenosse und Biograph, sagt mit recht: „Wenn Doktor Luther in seinem Laufe sonst nichts Gutes gestiftet und angerichtet hätte, denn dass er beiden Katechismen in Häusern, Schule und auf dem Predigtstuhl, und das Gebet für und nach dem Essen, und wenn man schlafen gehet und aufstehet, wieder in die Häuser gebracht, so könnte ihm die ganze Welt das niemals mehr genugsam verdanken und bezahlen.“

Die Verbesserung der Schulen. Einführung des Katechismus.
Die Verbesserung der Schulen.
Einführung des Katechismus.

Aber schon vor der Abfassung seiner beiden Katechismen hatte sich Luther um die Errichtung von Schulen und die Erziehung der Jugend bemüht. Schon in der Schrift: „An den christlichen Adel deutscher Nation“ spricht er „Vor allen Dingen sollte in den hohen und niederen Ständen die vornehmste und [all]gemeinste Lektion sein die Heilige Schrift und den jungen Knaben das Evangelium. Und wollte Gott, eine jegliche Stadt hätte auch eine Mädchenschule, darin des Tages die Mädchen eine Stunde das Evangelium hörten.“ 1524 verfasste er eine Schrift „an die Bürgermeister und Ratsherren aller Städte Deutschlands, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“. Außerdem richtete er von der Koburg aus 1530 einen „Sermon an die Prediger, die Christum mit Treue meinen, dass sie die Leute vermahneten, ihre Kinder zur Schule zu halten“. Hierin schreibt er: „Und wenn ich vom Predigtamt und anderen Sachen ablassen könnte oder müsst, so wollte ich kein Amt lieber haben, denn Schulmeister oder Knabenlehrer sein. Denn ich weiß, dass dies Werk nächst dem Predigtamt das allernützlichste, größte und beste ist, und weiß dazu noch nicht, welches unter beiden das Beste ist; denn es ist schwer, alte Hunde [zu] bändig[en] und alte Schälke fromm zu machen, daran doch das Predigtamt arbeitet und viel umsonst arbeiten muss; aber die jungen Bäumlein kann besser biegen und [er]ziehen, obgleich auch etliche darüber zerbrechen. Lieber, lass es der höchsten Tugend eine sein auf Erden, fremden Leuten ihre Kinder treulich zu [er]ziehen, welches gar wenig und schier niemand tut an den Seinigen.“ Er will in dieser Schrift, dass die weltliche Obrigkeit die Leute dazu anhalten soll, ihre Kinder zur Schule zu schicken und schließt mit den Worten: „Wohlan, ihr lieben Deutschen, ich hab es euch genug gesagt, ihr habt euren Propheten gehört. Gott gebe uns, dass wir seinem Worte folgen, und behüte uns vor dem gräulichen Laster der Undankbarkeit und Vergessenheit seiner Wohltat. Amen.“ – In demselben Jahr 1530 kann er voll Freude an seinen frommen Kurfürsten schreiben, dass es in seinem Land so viel besser zu werden anfängt mit Unterricht und Unterweisung der Jugend: „Es wächst jetzt daher die zarte Jugend von Knäblein und Maidlein, mit dem Katechismo und Schrift so wohl zugerichtet, dass es mir in meinem Herzen sanft tut, dass ich sehen mag, wie jetzt junge Knäblein und Maidlein mehr beten, glauben und reden können von Gott, von Christo, denn vorhin und noch alle Stift und Klöster und Schulen gekonnt haben und noch können.“

So ist die christliche Volksschule, deren unermessliche Wichtigkeit und Segen für unser ganzes Volksleben bis in unsere Gegenwart ausstrahlt und erkannt wird, eine Tochter des chrictlichen Glaubens, eine Frucht der Reformation, eine Stiftung Luthers. Alle reformatorischen Kirchenordnungen sind auch zugleich Schulordnungen gewesen. Das sollten die bedenken, die die Volksschule heute dem Einfluss des christlichen Glaubens entziehen und rein zu einer Anstalt des Staates oder der bürgerlichen Gemeinde machen. Sie nehmen damit in Undankbarkeit des christlichen Glaubens etwas, worauf er seit Jahrhunderten ein Recht hat und handeln nicht im Sinn und Geist der Reformation.

Wir haben gesehen, wie Luther auf allen möglichen Gebieten des Lebens fördernd, bahnbrechend, bessernd und erneuernd eingreift und sein Volk lehrt. Nun werfen wir auch noch einen Blick auf sein ganzes häusliches und christliches Leben.

 


Inhalt

Wie Martin Luther von Gott zum Reformator der Kirche vorbereitet wurde.
Elternhaus. Geburt. Jugenderziehung.
Eintritt in das Kloster in Erfurt.
Durchbruch zur evangelischen Heilserkenntnis und Übersiedlung nach Wittenberg.
Reise nach Rom. 1511.
Wie Martin Luther das Werk der Reformation begann.
Der Ablass. Tetzel. Die 95 Thesen.
Römische Nachstellungen. Cajetan. Miltitz.
Drei Zeugnisse vom Evangelium gegen Rom.
Im Bann des Papstes.
Der Reichstag zu Worms.
Wie Martin Luther die Reformation der Kirche in den rechten Bahnen erhielt und weiterführte.
Auf der Wartburg.
Die Schwärmer in Wittenberg und der Aufstand der Bauern.
Luther tritt in die Ehe ein.
Der Reichstag in Augsburg (1530) und Luther auf der Coburg.
Der Tag zu Schmalkalden, 1537.
Martin Luther als Lehrer und Vorbild.
Luther, der treue Untertan weltlicher Obrigkeit.
Luther, der Bibelübersetzer und Volksschriftsteller.
Luther, der Sänger und Liederdichter.
Luther, der Freund der Schule.
Luther, der Hausvater und Christ in Freud und Leid.
Wie Martin Luther selig in dem Herrn heim ging.

Quelle

Ernst Haack (1883)
Dr. Martin Luthers Leben und Wirken.
Motto: Gottes Wort und Luthers Lehr‘ vergehen nun und nimmermehr. Eine Preisschrift, gekrönt und herausgegeben zum 10. November 1883, dem 400 jährigen Geburtstag des großen Reformators, vom Evangelischen Preßverein in Schlesien.
Breslau, 1883. In Commission bei C. Dülfer
 
Gustav König (Bild um 1900)
Dr. Martin Luther der deutsche Reformator in bildlichen Darstellungen
Verlag von Keuther & Reichard, vermutlich um 1900
 

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