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Reformation > Dr. Martin Luther - Sein Leben und Wirken

Wie Martin Luther von Gott zum Reformator der Kirche vorbereitet wurde.

Ich kannte dich, ehe denn ich dich im Mutterleibe bereitet, und sonderte dich aus, ehe denn du von der Mutter geboren wurdest, und stellte dich zum Propheten unter die Völker.

Jeremia 1,5

Elternhaus. Geburt. Jugenderziehung.

Es ist ein köstliches Ding einem Manne, dass er das Joch in seiner Jugend trage.

Klagelieder Jeremias 3, 27

Als Jesus Christus seine Kirche auf Erden aufrichten wollte da erwählte er sich zu seinen Boten arme Fischer aus Galiläa; und als die Zeit gekommen war, die unter dem Papsttum in Lehre und Leben verdorbene Kirche auf den Grund der Apostel und Propheten zu erneuern und zu apostolischer Reinheit zurückzuführen, da ließ Gott den Mann, den er zu diesem Werk der Erneuerung und der Reformation der Kirche ausgewählt hatte, nicht aus einer vornehmen Familie kommen und in einem Palast geboren werden, sondern erwählte den Sohn eines Bergmanns, dessen Wiege in einer ärmlichen Hütte stand und der unter Not und Entbehrung heranwuchs. Das was groß werden will, muss klein anfangen und das Niedrige, Schwache und Törichte hat Gott erwählt, so ist die Ordnung im Reich Gottes (1. Kor. 1,27). Der so gewaltig zu dem deutschen Volk reden sollte, war ein Sohn des Volkes und Deutschlands Prophet und Lehrer, Dr. Martin Luther. Er kam wirklich aus dem Herzen Deutschlands, aus dem schönen Thüringer Land.

Martin Luthers Eltern
Martin Luthers Eltern

In der Nähe der Stadt Salzungen im Meiningenschen an der Eisenbahn, die von Eisenach zu dieser Stadt führt, liegt ein Dorf mit Namen Möhra. Das ist der Stammort der Familie Luther. Sie war im fünfzehnten und sechszehnten Jahrhundert ein starkes Bauerngeschlecht, das sich bis heute in dieser Gegend erhalten hat. „Ich bin eines Bauern Sohn; mein Bruder und Großvater sind rechte Bauern gewest“, sagte unser Reformator selbst von sich. Natürlich erbte Hans Luther, der Vater Martin Luthers, als ältester Sohn nicht den Bauernhof seines Vaters Heine (denn es herrschte dort das Minorat, d.h. das Erbrecht des Jüngsten), und so wendete er sich darum dem Bergbau zu, den man in Möhra im fünfzehnten Jahrhundert versuchte zu entwickeln indem man nach Kupfererz grub. In Möhra heiratete er noch seine Frau Margarete, deren Abstammung nicht sicher bekannt ist. Einige nennen sie eine geborene Lindemann aus dem Würzburgischen; andere sagen, sie sei eine geborene Ziegle aus Eisenach gewesen. Jedenfalls lebten in Eisenach Verwandte von ihr. Wichtiger als ihr Name ist ihre Tugend, die von allen gerühmt wird. Sie zeichnete sich durch Keuschheit, Fleiß, stilles Wesen, Gottesfurcht und Gebetseifer aus, während Luthers Vater, ihr Mann, ein strenger, ehrenfester Mann war, der wusste was er wollte und einen großen Verstand, Scharfblick und ein richtiges Urteilsvermögen besaß, sodass er später in der Stadt Mansfeld in den Rat gewählt wurde und die Grafen von Mansfeld gern mit dem tüchtigen Mann umgingen.

Martin Luther wird in die Schule geführt
Martin Luther wird in die Schule geführt

Bald nach ihrer Heirat zogen die beiden jungen Leute nach Eisleben, das damals unter der Oberhoheit der Grafen von Mansfeld (heute im Bundesland Sachsen-Anhalt) stand. Hier wurde ihnen am 10. November 1483 zwischen 11 und 12 Uhr nachts ihr ältester Sohn geboren, eben unser teurer Reformator. In der Nähe der Petrikirche stand sein Geburtshaus, und in dieser Kirche wurde der Knabe auch gleich am nächsten Tag getauft. Damals ließen christliche Eltern noch nicht ihre Kinder monatelang ohne das heilige Sakrament der Wiedergeburt liegen. Weil der 11. November der Tag des heiligen Martinus war, des gottesfürchtigen Soldaten und späteren Bischofs, der in bitterer Kälte seinen Mantel mit einem armen Bettler teilte, nannte man den Knaben Martin. Nur ein halbes Jahr blieben die Eltern des kleinen Martin in Eisleben, dann zogen sie in die Stadt Mansfeld an den Abhängen des Harzes, weil dort der Bergbau ergiebiger war. Aber zunächst hatten sie auch dort noch mit Mangel und Sorge zu kämpfen und konnten nur durch harte Arbeit ihrer zahlreichen Familie von 4 Söhnen und 3 Töchtern das tägliche Brot erwerben. „Mein Vater ist ein armer Hauer (Schieferhauer, d.h. Bergmann) gewest; die Mutter hat all ihr Holz auf dem Rücken eingetragen, damit sie uns erziehen könnten. Sie haben es sich lassen blutsauer werden; jetzt würden’s die Leute nicht mehr so aushalten“ sagt ihr berühmter Sohn später. Doch vernachlässigten sie an der Erziehung ihrer Kinder nichts. Ihren ältesten Sohn Martin schickten sie früh in die Schule der Stadt. Ein späterer Bürger Mansfelds, Demler, trug den kleinen Martin öfter bei schlechtem Wetter auf dem Rücken dorthin, woran ihn Luther später noch erinnert. Eine Freude war es übrigens nicht für die Kinder in diese Schule zu gehen. Die Lehrer verstanden es nicht, die Kinder zum Lernen anzuleiten und griffen schnell zum Stock, wenn der kleine Kopf aufgrund ihrer eigenen Ungeschicklichkeit nicht so schnell begreifen konnte. Luther klagt später über diese grausame und unverständige Art des Unterrichts und erzählt, er selbst sei einmal fünfzehnmal an einem Tag von dem Lehrer mit der Rute geschlagen worden. Auch seine Eltern verfuhren sehr streng mit dem munteren, „hurtigen“ Kind. Sie meinten es als fromme, ernste Leute, herzlich gut und wollten ihre Kinder fleißig zu allem Guten anhalten, aber sie wollten alles durch harte Strenge erreichen und bedachten nicht, „dass bei der Rute auch der Apfel liegen muss“. So schlugen sie auch den kleinen Martinus wegen geringer Ursache so hart, dass er ihnen einmal fast gram geworden ist. Doch hat er ihnen sein Leben lang die strenge Erziehung trotzdem gedankt und sich ihrer später nie geschämt, sondern bis zu ihrem Tod in herzlicher Verbundenheit mit ihnen gestanden. Gott wollte den, der nachher das Evangelium so herrlich verkündigen sollte, zuvor unter dem Stockmeister des Gesetztes halten.

Luther singt als Currendschüler vor der Tür der Frau Ursula Cotta in Eisenach (1498)
Luther bei Frau Ursula Cotta in Eisenach (1498)
Luther singt als Currendschüler vor der Tür der Frau Ursula Cotta in Eisenach (1498)

Weil der kleine Martinus eine gute Begabung zeigte, nahm ihn sein Vater mit 14 Jahren aus der Ortsschule und schickte ihn auf die Schule nach Magdeburg. Doch konnte er ihn von seinem geringen Verdienst dort nicht unterstützen und er musste sich wie andere arme Schüler auch nach damaliger Sitte sein Brot vor den Türen ersingen und von Almosen (Parteken) leben. „Verachte mir nicht die Gesellen, die vor den Türen panem propter deum (Brot um Gottes Willen) singen! Ich bin auch ein solcher Partekenhengst (wie man spöttisch solche armen Currendschüler nannte) gewesen und habe das Brot vor den Häusern genommen!“ sagt er selbst. So ging es ihm auch noch in Eisenach, wohin er schon im darauffolgenden Jahr 1498 kam, wahrscheinlich wegen der Verwandten seiner Mutter, die ihn unterstützen sollten. Eines Tages hatte man ihn schon an drei Häusern abgewiesen, und er wollte schon niedergeschlagen und mit Tränen in den Augen hungrig nach hause gehen. Da öffnete sich die Tür eines vornehmen Hauses und eine freundliche Frau rief den jungen Martin zu sich ins Haus. Es war Frau Cotta, „die fromme Sunamitin“, wie man sie später nach 2. Könige 4,81 nannte, die Gattin eines reichen Kaufmanns, der aus einem italienischen Adelsgeschlecht stammte. Sie mochte den feinsinnigen Jungen und hat ihn wegen seiner herzlichen Andacht beim Singen und beim Gebet in der Kirche lieb gewonnen. Ihr Mann erlaubte die Wohltätigkeit seiner Frau und nahm nach einigen Tagen den jungen Luther ganz bei sich auf. Nun war wenigstens die Zeit des Mangelleidens und des äußerlichen Drucks für ihn zu Ende und sein Wissenshunger wurde nicht mehr durch die Sorge um das tägliche Brot niedergehalten. Er konnte freudiger und frischer bei Magister Trebonius die Wissenschaften treiben, die er so sehr liebte und schon nach drei Jahren, im Jahr 1501 mit 18 Jahren auf die Universität Erfurt wechseln. Dort in der ältesten Stadt Thüringens war eine schon im Jahr 1392 eröffnete Hochschule, die damals berühmt war, „dass alle anderen dagegen für kleine Schützenschulen angesehen wurden“ und man sie das deutsche Bologna nannte. In dieser Hochschule wurde besonders das Studium der alten Sprachen und der lateinischen und griechischen Schriftsteller gefördert, durch die noch heute in unseren Gymnasien der Geist unserer Kinder gebildet wird, die sich später einem gelehrten Beruf widmen wollen. Daneben gab es auch Theologen und Rechtsgelehrte „und der Fleiß der Studierenden und die Begierde nach gradibus academicis (gelehrten Titeln und Würden) war so groß, dass man das Sprichwort führte, es seien so viele magistri zu Erfurt, als Schrittsteine auf den Gassen“. Nur Eins, die Hauptsache lehrte und lernte man nicht: das wahre Evangelium und eine reine Theologie. „Selig hätten wir uns gedäucht, auch nur ein Psälterlein oder Evangelium zu hören!“ äußerte sich Luther später einmal.

Hierher also zog der junge Luther, der jetzt auch von seinem Vater ausreichend unterstützt wurde, da Hans Luther allmählich durch seinen Fleiß aufgestiegen und einigermaßen zu Wohlstand gekommen ist. Hier sollte Luther den verborgenen Schatz im Acker, die eine köstliche Perle finden, die er dann uns gelehrt hat2. Er sollte sie finden an einem Ort, wo er sie später gewiss nicht gesucht hätte, im Augustinerkloster der Stadt. Und wie kam er dahin? Das soll uns das folgende Kapitel berichten.

 


Inhalt

Wie Martin Luther von Gott zum Reformator der Kirche vorbereitet wurde.
Elternhaus. Geburt. Jugenderziehung.
Eintritt in das Kloster in Erfurt.
Durchbruch zur evangelischen Heilserkenntnis und Übersiedlung nach Wittenberg.
Reise nach Rom. 1511.
Wie Martin Luther das Werk der Reformation begann.
Der Ablass. Tetzel. Die 95 Thesen.
Römische Nachstellungen. Cajetan. Miltitz.
Drei Zeugnisse vom Evangelium gegen Rom.
Im Bann des Papstes.
Der Reichstag zu Worms.
Wie Martin Luther die Reformation der Kirche in den rechten Bahnen erhielt und weiterführte.
Auf der Wartburg.
Die Schwärmer in Wittenberg und der Aufstand der Bauern.
Luther tritt in die Ehe ein.
Der Reichstag in Augsburg (1530) und Luther auf der Coburg.
Der Tag zu Schmalkalden, 1537.
Martin Luther als Lehrer und Vorbild.
Luther, der treue Untertan weltlicher Obrigkeit.
Luther, der Bibelübersetzer und Volksschriftsteller.
Luther, der Sänger und Liederdichter.
Luther, der Freund der Schule.
Luther, der Hausvater und Christ in Freud und Leid.
Wie Martin Luther selig in dem Herrn heim ging.

Anmerkungen

  1. Und es begab sich zu der Zeit, daß Elisa ging gen Sunem. Daselbst war eine reiche Frau; die hielt ihn, daß er bei ihr aß. Und so oft er daselbst durchzog, kehrte er zu ihr ein und aß bei ihr. (2. Könige 4,8)
  2. Das Gleichnis vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle (Matthäus 13, 44-46): Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenem Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden über denselben und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Abermals ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Quelle

Ernst Haack (1883)
Dr. Martin Luthers Leben und Wirken.
Motto: Gottes Wort und Luthers Lehr‘ vergehen nun und nimmermehr. Eine Preisschrift, gekrönt und herausgegeben zum 10. November 1883, dem 400 jährigen Geburtstag des großen Reformators, vom Evangelischen Preßverein in Schlesien.
Breslau, 1883. In Commission bei C. Dülfer
 
Gustav König (Bild um 1900)
Dr. Martin Luther der deutsche Reformator in bildlichen Darstellungen
Verlag von Keuther & Reichard, vermutlich um 1900
 

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