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Reformation > Dr. Martin Luther - Sein Leben und Wirken

Der Reichstag in Augsburg (1530) und Luther auf der Coburg.

Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. – Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Matthäus 10, 32 und Jakobus 5,16

Nach seiner Hochzeit floss Luthers Leben ruhiger und gleichmäßiger dahin, wenn er auch bis zum Schluss viel zu streiten und zu kämpfen hatte und ständig gegen seine und des Evangeliums Feinde „zu Felde ziehen“ musste. Trotz vieler Krankheit und leiblicher und geistlicher Anfechtungen war er unermüdlich tätig mit predigen und lehren in Wort und Schrift, und er hatte die Freude, zu sehen, wie das Evangelium sich immer weiter ausbreitete, trotz aller Versuche durch die alte Kirche es zu unterdrücken. Glücklicherweise hatte Kaiser Karl V. ständig mit Frankreich zu kämpfen, sodass er sich um die deutschen Angelegenheiten wenig kümmern konnte und das Wormser Edikt gegen die Reformation auf dem Papier blieb. Nur in den Niederlanden handelte man danach. Das erste Land, das vollständig evangelisch wurde, war 1525 Preußen. 1528 und 1529 wurde durch Kirchenvisitationen, an denen auch Luther und Melanchthon teilnahmen, in Kursachsen das Kirchenwesen evangelisch geordnet. Außerdem waren Hessen, Fränkisch-Brandenburg, Braunschweig-Lüneburg, Anhalt, Magdeburg, Bremen, Nürnberg und viele andere deutsche Reichsstädte zum Evangelium übergetreten.

1529 bekam nun der Kaiser wieder mehr freie Hand zum Eingreifen in die deutschen Angelegenheiten, und auf dem in diesem Jahr gehaltenen Reichstag zu Speyer wollten die katholischen Fürsten mit dem Bruder des Kaisers, Ferdinand von Österreich, an der Spitze auch in den evangelisch gewordenen Ländern die Gewalt und die Einkünfte der Bischöfe wiederherstellen. Dagegen protestierten und wehrten sich die evangelischen Reichsstände auf das Entschiedenste und erhielten hierdurch den Namen Protestanten. Sie schlossen noch in Speyer ein Bündnis zum gegenseitigen Schutz gegen katholische Angriffe, in das Landgraf Philipp von Hessen auch die reformierten Schweizer mit einbeziehen wollte. An deren Spitze stand der Reformator Ulrich Zwingli in Zürich, der in der Schweiz die Kirche reformiert hatte. Leider führte er eine Lehre, die Luther und seine Freunde in einigen Punkten, besonders in der Abendmahlslehre nicht gutheißen konnten. Sie kamen auf Antrieb Philipps von Hessen 1529 mit ihm selbst und einigen anderen Schweizern in Marburg in Hessen zu einem Religionsgespräch zusammen. In 15 Hauptartikeln der christlichen Lehre stimmten sie miteinander überein, aber nicht in der Lehre vom Abendmahl. „Ihr habt einen anderen Geist als wir!“ musste Luther zum Schluss erklären, und so zerschlug sich das Bündnis mit den Schweizern. Luther wollte generell von der weltlichen Politik, die sich von jetzt an sehr oft in das Werk der Reformation einmischte, nichts wissen. Er riet allezeit Frieden zu halten und zum Gottvertrauen. Ihm war die Predigt und die reine Lehre des Wortes Gottes überall die Hauptsache.

Im folgenden Jahr, 1530, wurde erneut ein Reichstag nach Augsburg einberufen. Hier wollte Karl V. persönlich anwesend sein und endlich die Spaltung und Irrung in der Religion beilegen. Kurfürst Johann von Sachsen hatte darum seine Theologen, Melanchthon, Jonas, Spalatin und Agricola mitgebracht. Luther selbst mitzunehmen durfte er nicht wagen, da er ja in der Reichsacht und im Bann des Papstes war. Das würde wie eine Verhöhnung des Kaisers ausgesehen haben, der ohnehin sehr erzürnt über die Evangelischen und ihren Protest in Speyer war. So musste Luther auf der südlichsten Grenze des kursächsischen Landes, auf der Festung Koburg, bleiben (vom 15. April bis 5. Oktober 1530), während in Augsburg über seine Lehre und ihr Schicksal verhandelt wurde. Das war keine leichte Sache für ihn. Wieviel lieber wäre er mitten in diesem geistlichen Kampf dabei gewesen, der sich in Augsburg erhob, statt ruhig in der Ferne zu sitzen. Aber er war wenigstens im Geiste, mit seinem Rat und vor allem mit seinem Gebet unter seinen Freunden. „Ich will beten und heulen und nicht ruhen, bis mein Gebet erhört sei!“ schreibt er und sein Gehilfe Veit Dietrich erzählt, dass er täglich drei Stunden zum Gebet verwandt habe. „Guter Gott!“ ruft er aus, „welch‘ ein Glaube war in seinen Worten! Mit solcher Ehrfurcht betete er, dass man sah, er redet mit Gott, und doch wieder mit solchem Glauben und solcher Hoffnung, dass es schien, als rede er mit einem Vater und Freunde.“ Wie Mose auf dem Berg Raphidim (2. Mose 17) seine Hände im Gebet emporhielt, während Josua den Amalek bekämpfte, so war es hier mit Luther und seinen Freunden. Was wären sie ohne ihn gewesen! Mehr als einmal verlor besonders der schüchterne Melanchthon den Kopf, und Luther musste ihn durch seine gewaltigen Briefe voll des unerschütterlichen Gottvertrauens wieder aufrichten. „Dass die Sorgen also in deinem Herzen regieren, macht nicht die Größe dieser Sache sondern die Größe unseres Unglaubens. Die Sache mag so groß sein, als sie will, so ist der doch auch groß, der sie führt und von dem sie stammt. Denn sie ist nicht unser. Was quälst du dich daher so ohne Unterlass? Wirf deine Sache auf den Herrn!“ So schreibt er an den zagenden Freund. Und neben solchen Briefen, in die er alles, was an Glaube, Mut und Gottvertrauen in ihm war, hineinlegte, verfasste er andere, in denen er heiter scherzt über den Dohlenreichstag, den er von seiner Burg aus ansehen musste, oder er beschreibt seinem kleinen vierjährigen Sohn Hans in einem kindlichen Brief den schönen, lustigen Garten, in den die Kinder kommen, die gerne lernen und beten. Scherzend nannte er Koburg mit Umkehrung des Namens die Wüste Grubok oder sein Sinai, aus dem er aber ein Zion machen wolle. Viel hatte er wieder unter leiblichen und geistlichen Anfechtungen zu leiden. Auch betrübte ihn der Tod seines Vaters tief, der am 29. Mai 1530 im Glauben an das Evangelium starb, das sein Sohn wieder ans Licht gebracht hatte.

Oben: Luther im Gebet. Hauptbild: Übergabe der Augsburger Confession (1530).
Oben: Luther im Gebet. Hauptbild: Übergabe der Augsburger Confession (1530).

Inzwischen hatte Kaiser Karl V. von den Evangelischen eine Darlegung ihres Glaubens verlangt, und Melanchthon sollte sie verfassen. Er legte dabei 19 Artikel zugrunde, die Luther im Jahr zuvor für den Konvent der evangelischen Stände in Schwabach abgefasst hatte, und überarbeitete diese. Luther billigte die Schrift, und so wurde sie am 25. Juni 1530 vor dem versammelten Reichstag vorgelesen. Das ist unser evangelisches Glaubensbekenntnis, die Augsburger Konfession, in der der rechte evangelische Glaube in 21 Artikeln klar und bestimmt, ruhig und sachlich dargelegt wird und in weiteren 7 Artikeln die päpstlichen Missbräuche aufgezählt und auf der Grundlage der Heiligen Schrift verworfen werden. Die Verlesung machte den größten Eindruck, auch auf katholischer Seite. „So sehe ich wohl, die Evangelischen sitzen in der Schrift und wir daneben!“ sagte ein katholischer Fürst. Karl V. allerdings ließ durch seine katholischen Theologen eine Widerlegung verfassen, die man aber nicht einmal den Evangelischen schriftlich mitteilte, damit sie sich verteidigen könnten. Melanchthon verfasste seine „Apologie“ oder Verteidigung der Augsburgischen Konfession nach dem, was man bei der Verlesung mitgeschrieben hatte. Der Reichstag schloss für die Evangelischen sehr ungünstig. Sie erhielten Bedenkzeit bis zum 15. April 1531, ob sie zum Papsttum zurückkehren wollten oder nicht. Dafür wolle sich der Kaiser verpflichten für die Einberufung eines Konzils zu sorgen. Die Evangelischen blieben aber bei ihrem Protest von Speyer.

So sah es aus, als ob es wirklich jetzt schon zum Krieg und Blutvergießen in Deutschland kommen sollte. Luther erhob seine Friedensstimme und verfasste seine „Warnung an seine lieben Deutschen vor Krieg und Aufruhr“ und ermahnte die Seinen, die sich Ende März 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossen hatten, beständig zur Ruhe, zum erleiden des Unrechts, zum Gottvertrauen. Gott könne bald ein Einsehen haben. Und Luther behielt Recht. Der Kaiser und sein Bruder Ferdinand hatten mit den Türken zu tun, die damals wiederholt die Ostgrenze des deutschen Reichs bedrohten, und mussten sich 1532 zum Abschluss des Nürnberger Religionsfriedens herablassen, durch den die Evangelischen bis zu einem Konzil freie Hand bekamen und beide Seiten angewiesen wurden, sich zu vertragen. Luther hat beim Zustandekommen dieses Friedens den größten Verdienst. Kurz darauf starb der fromme Kurfürst Johann der Beständige an einem Schlaganfall (16. August 1532). Er wurde neben seinem Bruder Friedrich dem Weisen begraben. Johanns Sohn, Johann Friedrich, war sein Nachfolger, der schon als Kurprinz gemeinsam mit seiner Frau Sibylle Freunde Luthers waren.

 


Inhalt

Wie Martin Luther von Gott zum Reformator der Kirche vorbereitet wurde.
Elternhaus. Geburt. Jugenderziehung.
Eintritt in das Kloster in Erfurt.
Durchbruch zur evangelischen Heilserkenntnis und Übersiedlung nach Wittenberg.
Reise nach Rom. 1511.
Wie Martin Luther das Werk der Reformation begann.
Der Ablass. Tetzel. Die 95 Thesen.
Römische Nachstellungen. Cajetan. Miltitz.
Drei Zeugnisse vom Evangelium gegen Rom.
Im Bann des Papstes.
Der Reichstag zu Worms.
Wie Martin Luther die Reformation der Kirche in den rechten Bahnen erhielt und weiterführte.
Auf der Wartburg.
Die Schwärmer in Wittenberg und der Aufstand der Bauern.
Luther tritt in die Ehe ein.
Der Reichstag in Augsburg (1530) und Luther auf der Coburg.
Der Tag zu Schmalkalden, 1537.
Martin Luther als Lehrer und Vorbild.
Luther, der treue Untertan weltlicher Obrigkeit.
Luther, der Bibelübersetzer und Volksschriftsteller.
Luther, der Sänger und Liederdichter.
Luther, der Freund der Schule.
Luther, der Hausvater und Christ in Freud und Leid.
Wie Martin Luther selig in dem Herrn heim ging.

Quelle

Ernst Haack (1883)
Dr. Martin Luthers Leben und Wirken.
Motto: Gottes Wort und Luthers Lehr‘ vergehen nun und nimmermehr. Eine Preisschrift, gekrönt und herausgegeben zum 10. November 1883, dem 400 jährigen Geburtstag des großen Reformators, vom Evangelischen Preßverein in Schlesien.
Breslau, 1883. In Commission bei C. Dülfer
 
Gustav König (Bild um 1900)
Dr. Martin Luther der deutsche Reformator in bildlichen Darstellungen
Verlag von Keuther & Reichard, vermutlich um 1900
 

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