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Toledot > Psalm 96

Dieser Psalm ist eine Weissagung vom Reich Christi in aller Welt, in der nur Frieden und Loben sein soll. Der Text spricht klar genug für sich selbst. Hier wird allen Heiden, Ländern, Leuten, Welten, Wassern und Bäumen der rechte Gottesdienst bestimmt, dass sie Gott loben und danken sollen darum, dass er richtet und regiert mit Gerechtigkeit und Wahrheit. Das heißt er hilft von Sünden und allem was Sünde mit sich bringt, nämlich vom Tod, Hölle, der Gewalt des Teufels und allem Übel. Das ist das neue Lied vom neuen Reich, von neuen Kreaturen, von neuen Menschen. Nicht aus Gesetz noch aus Werken, sondern aus Gott und Geist geboren, die ein Wunder sind und tun in Christus Jesus unserem Herrn.

[Dietrich et al. 1540]

 


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Auslegung

Dieser Psalm wird in 1. Chronik 16 fast vollständig, mit nur wenig geänderten Worten gelesen und berichtet, dass David ihn geschrieben und gesungen hat, als er die Lade des Bundes Gottes mit Freuden von dem Haus Obed Edoms herauf nach Jerusalem gebracht hat. Nachdem aber diese Lade Gottes ein Vorbild oder Vorschatten auf Christus gewesen ist, wie ihn Paulus in Römer 3,25 den Gnadenstuhl und Johannes (1. Johannes 2,2) die Versöhnung für unsere Sünde nennt, so hat David im Geist mit diesem Psalm Christus und sein Reich gesehen, und weissagt, dass dieses Reich durch die ganze Welt ausgebreitet werden wird und auch die Heiden dazu gebracht werden. Und weil dies eine so überwältigende Gnadentat ist, dass sie nicht genug gepriesen werden kann, ermahnt David durch den ganzen Psalm hindurch, dass man hiervon singen, unter allen Völkern predigen und Gott und unseren Heiland inniglich loben und preisen soll. So schreibt er am Anfang des Psalms: Singet dem Herrn ein neues Lied, singt dem Herrn alle Welt, singt dem Herrn und lobt seinen Namen, verkündigt von Tag zu Tag sein Heil! Erzählt unter den Heiden seine Ehre, unter allen Völkern seine Wunder. David gebietet hier ein neues Lied zu singen, nicht das alte Mosaische Lied, das niederdrückend lautet, denn es verflucht jeden, der nicht alles hält und danach tut was im Gesetz geschrieben steht (5. Mose 27,26). Es würde aber Gott ein Neues schaffen im Lande (Jeremia 31,22) und den Messias senden. Christus wird geboren werden, der den Fluch des Gesetzes hinweg nehmen würde, für die Sünde genug tun und Vergebung der Sünde predigen lassen. Demnach ist das neue Lied nichts anderes, als die Predigt des Evangeliums von der Erlösung des menschlichen Geschlechts und die Vergebung der Sünde aus Gnade um des teuren Verdienstes Jesu Christi willen. Hiervon, will David, soll jedermann dem Herrn Christus singen, ihm Lob und Dank sagen in aller Welt, überall wo Menschen wohnen. Und weil man ihn nicht genug loben kann, wiederholt David die Ermahnung hierzu öfter: Singet, singt, singt dem Herrn, lobt seinen Namen, predigt sein Heil, erzählt seine Ehre und seine Wunder.

David weist uns mit diesem Psalm auf zwei Punkte hin:

§1. Dass wir im Neuen Testament viel größere Wohltaten, eine viel seligere Zeit und einen besseren Gottesdienst haben als die Väter im Alten Testament. Denn im Alten Testament war der Gottesdienst schwer und mühselig, voll von vielen und verschiedenen Opfern und Gesetzen, von denen nur die Erkenntnis der Sünde kommt (Römer 3,20), die den Zorn Gottes verursachen (Römer 4,15), die Sünde hervorrufen und mächtig machen (Römer 7,9; 1. Korinther 15,56) und die Verdammnis predigen (2. Korinther 3,9). Es war also ein elend machendes Lied, von dem Heulen und Zähneklappen ausging. Aber im Neuen Testament ist das neue Lied des trostreichen Evangeliums von Christus, des Messias, der Zukunft ins Fleisch gekommen und seiner Erlösung aus der Gewalt und Tyrannei des Teufels, Sünde, Tod und Hölle, von der Vergebung der Sünden und ewiger Seligkeit, die durch sein bitteres Leiden und Sterben der ganzen Menschheit erworben ist, wo gesungen wird: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Johannes 3,16). Der Tod ist verschlungen in dem Sieg: Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat, durch unseren Herrn Jesus Christus (1. Korinther 15,54). So viel nun das ewige Heil die zeitliche Gnade übertrifft, so viel ist das Neue Testament herrlicher als das Alte Testament.

§2. Lehrt David, wie wir uns gegenüber dem Herrn Jesus für die Seligkeit des Neuen Testaments dankbar  zeigen sollen, nämlich, es sollen ihm alle Menschen, alle Völker in der ganzen Welt lobsingen und Dank sagen, von seinen Wohltaten bis zum Ende der Welt predigen, sie beständig erzählen und seine Ehre ausbreiten. Darum sagt er: Singt dem Herrn ein neues Lied, singt dem Herrn alle Welt, singt dem Herrn und lobt seinen Namen. Solche Ermahnungen predigte auch der Prophet Jesaja (Kapitel 42,10): Singt dem Herrn ein neues Lied, sein Rum ist an der Welt Ende usw. Wir sollen aber singen und loben seinen Namen, dass er unser Erbarmer, unser Erlöser, unser Heiland heißt und wir sollen zu seiner Ehre erzählen, wie wunderbar Gott Mensch, und Gott und Mensch eine Person geworden ist und was für große Wunder er getan hat. Dass er für uns gelitten hat, für uns gestorben ist und das Leben uns erworben hat, uns aus Gnade aufnimmt, die Sünde vergibt und uns selig macht, so lange die Welt besteht. Wer sich dessen nicht freut, Christus nicht fröhlich dankt, seinen Ruhm nicht verkündigt und seine Wunder nicht erzählt, der wird seine Herrlichkeit nicht sehen. Und so werden wir in einem trostreichen Lied ermahnt: Nun freut euch lieben Christen gmein, und lasst uns fröhlich springen, dass wir getrost und all in ein, mit Lust und Liebe singen, was Gott an uns gewendet hat, und seine süße Wundertat, gar teuer hat er es erworben. Wir sollen aber den Herrn loben allezeit, von einem Tag zum anderen, sein Lob soll immerdar in unserem Munde sein (Psalm 34,2).

Weiter erzählt David die Ursache, die uns zum Lob Gottes, und unseres Heilandes Jesu Christi bewegen soll, denn er sei allein der wahrhaftige Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde. Ein großer Herr an Macht und Herrlichkeit, über alle Götter der Völker und alle kraftlosen und ohnmächtigen Götzen, ein gewaltiger König, der ein herrliches Reich zubereitet, so weit die Welt ist, das bleiben wird und von keinen Feinden zerstört werden soll. Das ist seine heilige Gemeinde der Gläubigen, die herrlich und prächtig vor ihm steht, in der es löblich und treu zugeht, in seinem Heiligtum. Damit einher gehen die schönsten Gottesdienste, sein heiliges Evangelium wird auf das klarste gepredigt, die Sakramente werden ausgeteilt, die Gläubigen mit den Gaben des Heiligen Geistes erfüllt, es erschallt der schönste Gesang, wodurch er hoch gelobt und gepriesen wird. Er verwaltet sein Reich auf das Beste und schafft seinen Reichsgenossen Recht, macht sie gerecht und ewig selig durch sein bitteres Leiden und Sterben, wenn es mit wahrem Glauben ergriffen wird. Wie es denn heißt: sagt es unter den Heiden, dass Gott vom Holz regieren wird, vom Holz des Kreuzes, daran zu leiden und zu sterben, und dadurch selig zu machen alle, die an ihn glauben. Darauf ermahnt David wiederholt jedermann zum Lob Christi, ihm zu dienen, ihn hoch zu ehren, Geschenke in seine Gemeinde zu bringen und ihn im heiligen Schmuck, das heißt in wahrem Glauben anzubeten und vor seiner Majestät und Macht sich zu scheuen. Ja David muntert schließlich alle Kreaturen im Himmel und auf der Erde auf, dass sie auf ihre Weise frohlocken sollen und mit dem Menschengeschlecht sich über die großen Wohltaten freuen, die ihnen im Reich Christi gezeigt werden und dass Jesus Christus Gottes Sohn im Fleisch erschienen ist, ihnen von den Sünden zur ewigen Gerechtigkeit, Wahrheit und Seligkeit zu helfen.

Wir sehen hier:

§3. Welche wichtige und dringende Ursache wir haben, Christus stets zu loben und zu preisen. Denn er ist der große Herr, der große Gott, über alle Gewalt, Macht, Herrschaft, der die Welt erschaffen hat und erhält, das menschliche Geschlecht erlöst, ein Reich aufrichtet, so weit die Welt ist. Ein vergleichbares hat kein König jemals gehabt, so lange die Welt besteht. Der auch dieses sein Reich so befestigt, dass es bleiben wird und von den Pforten der Hölle nicht überwältigt werden soll, denn sein Reich ist ewig und sein Stuhl bleibt immer und ewig (Psalm 45,7). Er führt ein gerechtes Regiment, richtet die Völker recht, beschützt die Frommen, straft die Bösen und es ist bei ihm kein Ansehen der Person. Er macht gerecht die an ihn glauben und bedeckt ihre Sünden, er rechnet ihnen seine Gerechtigkeit zu, damit sie in ihm die Gerechtigkeit werden, die vor Gott gilt (2. Korinther 5,21). Er richtet und stürzt nach seiner Gerechtigkeit ihre blutgierigen Feinde, beschützt und erhält dagegen seine Gläubigen bei den Rechten. Er regiert und richtet mit Wahrheit. Sein Wort aber ist die Wahrheit (Johannes 17,17) und er wird ihnen ewiglich Glauben halten (Psalm 146,6). Es ist herrlich und prächtig in seinem Reich und es geht darin gewaltig und löblich zu. Es wird ihm gedient, dass er seine Lust und Freude daran hat und es vor Gott und den heiligen Engeln schön steht. Welches Christenherz möchte diesen großen Herrn und König nicht beständig hoch loben, preisen und ehren?

Darum sollen wir §4. die Ermahnung Davids uns hier immer in den Ohren klingen lassen und daraus folgern, dass wir Christus Lob sagen, singen und danken. Und weil der Heilige Geist durch David diese Ermahnung beständig mit anderen Worten wiederholt und sagt: Ihr Völker, bringt her dem Herrn, bringt her dem Herrn Ehre und Macht, bringt her dem Herrn die Ehre seines Namens, so sollen wir erkennen, wie ernst es ihm hiermit ist und deswegen unseren Herrn Christus hoch ehren, ihm die Ehre und Stärke bringen und bekennen, dass er der allmächtige Gott ist. Ihm die Ehre und Macht bringen und bekennen, dass er allein uns von Sünde, Tod, Teufel und Hölle erlöst und gegen unsere Feinde uns mächtig beschützt hat. Wir sollen ihm Geschenke bringen in seine Vorhöfe, das sind die Opfer unserer Lippen. Wir sollen ihn anrufen, loben und preisen im Glauben und weil er die Sünder nicht hört, sollen wir uns vor seiner Majestät scheuen und fürchten, damit wir uns vor Sünde hüten. Es sollen ihn loben, ihm danken und dienen, ihn anbeten und vor ihm sich fürchten alle Welt, alle Völker, sie kommen aus den Juden und aus den Heiden.

Dazu soll §5. dienen das Beispiel aller Kreaturen, auch der unvernünftigen am Himmel, auf der Erde, im Meer und allen Tiefen, wie sie David hier zur Freude und Lob Gottes aufweckt und ermahnt und wie, als die Kinder Israel aus Ägypten gezogen waren, die Berge hüpften wie die Lämmer und die Hügel wie die jungen Schafe, wie Psalm 114,4 beschreibt, so freuen sich auch die unvernünftigen Kreaturen auf ihre Weise mit uns Menschen, dass durch Christus wir mit Gott unserem und ihrem Schöpfer ausgesöhnt sind und sehnen sich nach der Offenbarung der Kinder Gottes (Römer 8,21). Wie sich nun Himmel, Erde, Meer, das Feld und alle Bäume in den Wäldern freuen und auf ihre Weise Christus für unsere Erlösung danken, die es doch selbst nichts angeht, wie viel mehr gebührt es dann uns, dass wir uns darüber herzlich freuen und Christus Lob und Dank sagen, denn zu unserem Nutzen, Trost und Heil ist die Erlösung geschehen. Rühmen wir nun solches hier in den Vorhöfen Gottes, so werden wir ihn dermal einst mit allen heiligen Engeln und Auserwählten loben, preisen und rühmen und ihm das neue Lied singen in seinem hohen Himmelsthron, in ewiger Freude und Seligkeit, Amen!

[Hainlin, Rebstock, Zeller 1709]


 

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Quellen

Veit Dietrich, Philipp Melanchton, Johannes Brenz (um 1540)
Summaria uber die gantze Bibel / das Alte und Newe Testament / Darinn auffs kürtzte angezeygt wirdt / was am nötigsten und nützten ist / dem jungen Volck / und gemeinem Mann / aufs allen Capiteln zu wissen / und zu lernen / Darnach sie ir leben richten / und solcher feiner Lehre / zu irer seelen seligkeit brauchen können / Durch Vitum Dietrich.
Item / Underschied des Alten unnd newen Testaments. Fürneme unterschied zwischen reiner Christlicher lehre des Euangelij und der Abgöttischen Papisten lehre. Christlicher und kurtzer unterricht von vergebung der sünde und seligkeyt / Durch Philip. Melanch. Kurtzer begriff und inhalt der gantzen heyligen Schrifft unnd aller biblischen Bücher des Alten unnd Newen Testaments / Durch Johannem Brencium.
Gedruckt in Nürnberg bei Johann vom Berg und Ulrich Neuber 1559
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Johann Jacob Hainlin, Jeremias Rebstock, Johann Conrad Zeller (1709)
Summarien Oder gründliche Auslegung Uber die gantze Heil. Schrifft Alten und Neuen Testamentes, Wie auch Uber die so genannten Apocrypha Samt nützlicher Unterweisung zum heilsamen Gebrauch im Glauben, Leben und Leiden, Hiebevor so wol zu öffentlicher Kirchen-Andacht, in denen Vesper-Lectionen in dem Hertzogthum Würtemberg und andern Evangelischen Ländern, Als auch auf eines ieden Christlichen Haus-Vaters sonderbahre Haus-Kirche gestellet
Herausgegeben von Johann Wolfgang Jäger, Johann Christophorus Pfaff und Andreas Adam Hochstetter
Gedruckt: Leipzig, Joh. Friedrich Gleditsch 1709
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